Archive for March, 2006

Podcast #2: Interview mit Judy (erster Teil)

Friday, March 31st, 2006

In dieser zweiten Episode geht es um ‘Mom-Rock’: Mütter um die 40 greifen zur E-Gitarre und spielen (Punk-)Rock. Ich habe mit Judy Davids über ihre Band gesprochen. Judy hat die Mydols gegründet, eine Mom-Punk-Rock Band aus Detroit, von denen ich in der ersten Episode einen Song gespielt habe.

Übrigens: Ab jetzt gibt es jeden Freitag einen neuen Podcast! Den zweiten Teil des Interviews könnt ihr also am nächsten Freitag hören.

 

Don’t be evil!

Friday, March 10th, 2006

Im Jahr 1975 wurde die Softwarefirma Microsoft gegründet. Ein Jahr später folgte dann in einer Garage — wo auch sonst? — die Gründung der Computerfirma Apple. Beide Unternehmen gehören heute zu den “Big Players” der Computerindustrie. Beide sind Beispiele für den amerikanischen Traum: Wer nur hart genug arbeitet und an sich glaubt, der kommt ganz nach oben und hat es auch verdient. In unserem Land der Ideen bräuchten wir mehr Microsofts und Apples. Dann würde es richtig brummen! Das Land der Ideen wäre wieder auf der Überholspur. Mehr Äpfel und mehr WinzigWeich (=Microsoft)!

Garagenfirmen und langhaarige Computerfreaks haben in den 70er Jahren die Welt tatsächlich verändert, und zwar viel stärker als es die meisten registrieren. In den 80er Jahren folgten Heimcomputer, in den 90er Jahren dann das Internet. Die Kombination aus Turnschuhen, Garage und Risikokapital lässt sich zwar leicht mit dem grossen Geld assoziieren. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Bill Gates und Steve Jobs tatsächlich die Welt verbessern (wollten?).

Zwei etwas jüngere Weltverbesserer sind Larry Page und Sergey Brin. Die beiden haben 1998 eine Firma zum Durchsuchen des Internets gegründet. Die Wallstreet glaubt, dass diese Firma mit dem Namen Google das nächste Microsoft ist, also der nächste Monopolist, der eigentlich nichts kann, auf den aber alle angewiesen sind. Obwohl Google eigentlich nur eine grosse Werbefirma ist, hat Google das Image eines Erfinderladens, in dem nur die hellsten Köpfe (mit Turnschuhen) arbeiten. Das Motto der Firma: Don’t be evil! Sei nicht böse! Goggle soll anders sein als “Big Player” wie beispielsweise Apfel oder WinzigWeich. Don’t be evil! Das hatte sich auch Anakin Skywalker hinter die (inzwischen verbrutzelten) Ohren geschrieben.

Doch Googles Ende ist nahe. Die letzte Steigerung des Gewinns von nur 82% ist eben recht enttäuschend. Enttäuschend ist auch, dass Google in China sich freiwillig kastriert und sich somit der Zensur der chinesischen Regierung unterwirft. Doch wen stört es eigentlich, wenn man beim chinesischen Google unter dem Schlagwort “Platz des himmlischen Friedens” nur sauber gefilterte Seiten findet? Zumindest hat es einige amerikanische Politiker gestört! In einer Anhörung des Repräsentantenhauses mussten Vertreter der so genannten Internet-Viererbande (damit sind Google, Microsoft, Yahoo und Cisco gemeint) zu ethischen Fragen bezüglich ihres Geschäfts in China Stellung nehmen.

Ich habe diese Anhörung live am Fernseher verfolgt. Und hier zeigten sich nahezu gleichzeitig einige der besten und schlechtesten Seiten Amerikas. Die Mitglieder der Kommission haben ehrlich, betroffen und glaubhaft angeprangert, dass sich amerikanische Unternehmen eben nicht zum Handlanger von Zensur und Überwachung machen dürfen. Die Vertreter der Viererbande haben dann bereits zuvor verfasste Stellungnahmen vorgelesen und bedauert, dass es zu solch schrecklichen Zwischenfällen wie der Verhaftung von Shi Tao gekommen ist. Dieser Journalist wurde dank Yahoo in den Knast gesteckt. Shit happens. Als Vergleich: Die Vertreter der Viererbande haben augenscheinlich so hart gelitten, wie Ministerpräsident Stoiber (“Ich leide wie ein Hund”) bei seiner Verweigerung des Bundesministerpostenangebots.

Den Vogel hat jedoch Bill Gates abgeschossen. Der ehemalige Harvard-Student verglich in einem Interview mit der Financial Times die Zensur in China mit Gesetzen in Deutschland: “Deutschland verbietet Nazi-Äußerungen – die US-Verfassung erlaubt so etwas aber. Sollte ich also Geschäfte in Deutschland machen?”

Bei Google gibt es übrigens bliebig viele warme Mahlzeiten am Tag für die Mitarbeiter, zumindest in San Francisco. Don’t be evil! Der Wallstreet wird es egal sein.